Mythos 2: Einmal schlechte Erfahrungen – immer schlechte Schreibende

Stellen Sie sich ein Kind vor, das gerade laufen lernt. Es fällt immer wieder hin, rappelt sich auf und tapst auf seinen Beinchen weiter. Mal hält es sich an einem Möbelstück fest, mal an Mama oder Papa. Manchmal weint es auch, weil es sich bei seinem Lauftraining weh getan hat. Doch es wird niemals so entmutigt sein, dass es lieber weiter krabbelt oder auf den Knien rutscht.

Denn es hat Spaß, erkennt seine Fortschritte und hat auch verstanden, dass alleine Laufen erhebliche Vorteile bringt: Es kann sich viel schneller fortbewegen als bisher und ist nicht mehr darauf angewiesen, von anderen im Kinderwagen gefahren zu werden.

Beim Schreiben dagegen lassen sich viele von ihren schlechten Erfahrungen so sehr entmutigen, dass sie eine Schreibabneigung entwickeln. Und das, obwohl sie etwas zu erzählen hätten und sich vorstellen, dass Schreiben ihnen Freude machen wird.

Schlechte Erfahrungen müssen sich keineswegs wiederholen! Haben Sie aus Schule oder Ausbildung ungute Erinnerungen an das Fach Deutsch – sprich den Anforderungen der jeweiligen Lehrperson nicht entsprochen – heißt das nicht, dass Sie für immer zu den schlechten Schreiber/innen zählen.

Lassen Sie sich durch die Urteile aus früheren Zeiten nicht den Spaß am Schreiben verderben. Auch die Lehrpersonen haben damals nur ihre persönliche Sichtweise auf Ihren Text geäußert. Heute könnte die ganz anders aussehen.

Möglicherweise waren Sie nicht auf einer Wellenlänge mit dem Menschen und haben die Aufgabenstellung falsch verstanden. Vermutlich sehen Sie selbst die Texte im Licht Ihrer Erfahrung in einem anderen Licht. Sie waren nur eine Station auf Ihrem Weg, und mittlerweile sind Sie bereit, die Texte zu schreiben, die Sie möchten, und daran Freude zu haben.

Auch wer in der Grundschule mit Erlebnisaufsätzen haderte, kann eine gute Geschichtenerfinderin sein, und wer Erörterungen hasste, dennoch erstklassige wissenschaftliche Arbeiten schreiben.