Mythos 1: Das Schreiben ist in die Wiege gelegt

Noch immer hält sich bei uns hartnäckig der Irrglaube, dass manche zur Schreiberin, zum Schreiber geboren wurden und anderen nicht. Deshalb gebe es gute und schlechte Schreibende, und an dem, was man mitbekommen hat, könne keiner etwas ändern.

 

Solche Aussagen halte ich nicht nur für demotivierend, sondern sogar für falsch. Denn ich habe durch mein eigenes Schreiben und meinen Beruf immer wieder erfahren, dass Schreiben wie alle kreativen Tätigkeiten funktioniert: Es besteht zu zehn Prozent aus Inspiration und zu 90 Prozent aus Transpiration.

 

Das bedeutet: Mit Fleiß, Ausdauer und jeder Menge Übung kann man sich vom mittelmäßigen Schreibenden mit durchschnittlichem oder weniger Talent zur routinierten Schreibenden mit einem großen Repertoire an schreiberischen Möglichkeiten weiterentwickeln.

 

Zudem kommt es immer auf die Textsorte an: Die Erlebnisaufsätze in der Grundschule oder die Erörterung in der 10. Klasse hat so manche/r verhauen, der/die später mit Texten aus ganz anderen Bereichen glänzte. Außerdem liegt einem nicht jedes Thema.

 

Es ist wie in allen Disziplinen: Sprachunbegabte können durch einen längeren Auslandsaufenthalt ihre Fähigkeiten in der fremden Sprache enorm verbessern, und wer mit 40 erst anfängt, ein Instrument zu spielen, wird für sich oder im Ensemble viel Freude daran haben, auch wenn er nicht mehr die Konzertreife erlangt.

 

Aufs Schreiben übertragen meint dies, dass jede/r eine gewisse schreiberische Grundfähigkeit hat, die ausbaubar ist. Durch Training erreichen Sie viel mehr, als Sie denken. Oft braucht es nur kleine Hinweise, und Ihr Text gewinnt. Meist macht das Schreiben dadurch sogar mehr Spaß.

 

Suchen Sie sich dazu den passenden Rahmen, z.B. eine/n Coach für das Schreiben in Ihrer Disziplin. Weiterhelfen können auch Kurse an der Volkshochschule, etwa für Kreatives Schreiben oder für das Schreiben von beruflichen Texten. Eine Gruppe Gleichgesinnter motiviert und der Austausch untereinander beflügelt.